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Mit Diabetes durch die Grundschule

In Deutschland leben ca. 20.000 schulpflichtige Kinder, die bereits in jungen Jahren an Diabetes mellitus (der Zuckerkrankheit) erkrankt sind. So auch unser Sohn Aurel (hier rechts im Bild), der bereits im Alter von 2 Jahren diese chronische Stoffwechselstörung kennenlernen sollte. Seitdem ist er einer von ca. 5 Millionen Menschen mit Diabetes, die in Deutschland leben.

 

Schon im Kindergarten musste er lernen, dass er immer etwas anders ist. Aber diese Zeit bis zur Einschulung war für ihn ein gutes Training. Losgelöst von Mamas Rockzipfel konnte er sogar schon im Kindergraten nahezu selbst verantwortlich mit seinem Diabetes umgehen.
Mit der Einschulung änderte sich der Tagesablauf grundlegend. Auch in der Schule muss der Blutzucker kontrolliert und Insulin injiziert werden. Die Mahlzeitenaufnahme unterliegt einer bestimmten Zusammensetzung und Tagesrhythmik. Dies war nicht nur für Aurel eine neue Herausforderung, sondern auch für seine Mitschüler und Lehrer, ein Neues und unbekanntes Feld. Kinder können in der Regel mit solchen neuen Situationen unbefangener umgehen als Erwachsene. Im Schulalltag ist eine gute Zusammenarbeit mit den Lehrern unabdingbar. Gerade in der Anfangsphase sind intensive Informationen und eine Schulung für Lehrer notwendig, um besondere Situationen wie Unter- oder Überzuckerung zu verhindern und Hilfestellung für den Alltag im Umgang mit dem Diabetes zu erhalten.

Es muss allerdings für Eltern unmissverständlich sein, dass Lehrkräfte medizinische Laien sind und auch nur diese Maßstäbe können an deren Handeln angelegt werden. Die Angst mancher Lehrer vor straf- oder disziplinarrechtlichen Konsequenzen ist deshalb, unserer Meinung nach, unbegründet. Tritt bei einem diabetischen Schüler z.B. durch eine Über- oder Unterzuckerung ein bedrohlicher Zustand ein, ist die Lehrkraft - genauso wie jeder andere Bürger auch- verpflichtet zu helfen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten die entsprechenden Notfallmaßnahmen zu ergreifen. Eine Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Kliniken mit den Schulen halten wir unbedingt für wünschenswert um die Situation zu verbessern. Leider ist das nicht der Regelfall.

Sportliche Aktivitäten, wie Schwimmunterricht waren für Aurel selbstverständlich, denn Kinder mit Diabetes benötigen in der Regel keine Sonderbehandlung. Allerdings sollte der Lehrer bei langen körperlichen Anstrengungen immer darauf achten, das der diabetische Schüler zusätzliche zuckerhaltige Nahrung, wie Obst zu sich nimmt. Traubenzucker, Cola oder andere schnelle Kohlenhydrahte, welche beim Lehrer oder in der Sporthalle deponiert sind, müssen bei Bedarf eingenommen werden können.

Trompete spielen in der Bläserklasse, –eine großartige Einrichtung an der Grundschule Nideggen- mit Konzerten und Auftritten, hat Aurel jedes Mal bravourös gemeistert. Wobei zu beachten ist, dass Aufregung vor einem Konzert oder einer Klassenarbeit, den Blutzuckerspiegel beeinflussen können. Vermehrte Blutzuckermessungen sind deshalb angezeigt.

Natürlich erlebte und erlebt Aurel immer wieder Situationen der Ausgrenzung oder gar Diskriminierung ob seines Diabetes. Die Gründe dafür sind hauptsächlich in der Unsicherheit oder der Angst vor Verantwortung zu suchen. Bei manchen Schulfreunden nicht zum Kindergeburtstag eingeladen zu werden, schmerzte Aurel sehr. Aber immer wieder gab es Eltern, die sich beherzt mit der notwendigen Information ausstatteten um auch ein diabetisches Kind wie Aurel einzuladen. Grundsätzlich gilt, dass auch bei gesunden Kindern Vorfälle und Unfälle immer ein Risiko darstellen.

Zwischen der 2. und 3. Klasse erlebte Aurel die Umstellung seiner Diabetestherapie von ICT hin zum CSII (Insulinpumpentherapie) Diese Veränderung führte zu einer erheblichen Erleichterung. Danach gab es nur noch ein Insulin. Das hat man immer dabei und kann es nicht vergessen. Nur noch das Blutzuckermessegrät musste immer irgendwo seinen Platz finden.

Mit der Grundschule Nideggen im Kreis Düren haben wir insgesamt gute Erfahrungen gemacht, abgesehen von wenigen besonderen Ausnahmen. Über die gute Zusammenarbeit mit der Klassenlehrerin, Jeanette Grein, waren wir besonders glücklich. Sie hat tatkräftig das diabetische Management in der Schule tagtäglich in aller Konsequenz umgesetzt. Auch bei Klassenfahrten, Ausflügen und Übernachtungsaufenthalten gab es keine Probleme.
Wandertage, Fahrten ins Schullandheim oder andere Klassenausflüge sollten möglichst mitgemacht werden, weil sie ein wichtiger Teil der normalen Persönlichkeitsentwicklung sind. Hier ist auch der Mut der betroffenen Eltern gefragt, das heißt die Eigenverantwortung des diabetischen Kindes rechtzeitig zu fördern und auch den betreuenden Lehrern Vertrauen entgegen zu bringen. Aber auch bei Widerständen der Lehrer nicht gleich klein beizugeben. Hilfreich ist, wenn mit den Lehrern ein einfaches, problemorientiertes Handeln besprochen wird und somit die Unsicherheit und Unerfahrenheit minimiert werden kann.

Dazu ist und war es wichtig, dass das Zusammenspiel zwischen den Lehrern der Grundschule Nideggen, dem Elternhaus und dem Kind "Aurel" ausgeprägt funktionierte. Deshalb sind wir froh und dankbar für den vierjährigen Einsatz der Klassenlehrerin Fr. Grein, die wir gerne als Vorbild für andere Lehrkräfte anführen wollen. Natürlich kennen wir auch die Kehrseite. Es gab und gibt auch Lehrer, denen es am liebsten gewesen wäre, nicht mit dem Diabetes und dessen möglichen Folgen in Verbindung gebracht zu werden.

Ein wichtiger Punkt im Unterricht ist die Frage, welche Zugeständnisse einem Kind mit Diabetes eingeräumt werden müssen. Aus unserer Sicht sollten Kindern mit Diabetes so weit als möglich normal behandelt werden. Ohne Einschränkungen müssen Blutzuckermessungen, Nahrungsaufnahme und der Gang zur Toilette jederzeit möglich sein. Weitere Zugeständnisse, wie eine generelle Arbeitszeitverlängerung bei Klassenarbeiten oder sonstige Vergünstigungen, müssen mit viel pädagogischem Feingefühl angegangen werden, denn akute Unter- oder Überzuckerungen sind Situationen, in denen der betroffene Schüler nicht sein volles Leistungsvermögen zeigen kann und dies sollte in der Bewertung mit einbezogen werden.

Hier gibt es noch Informations- und Handlungsbedarf, oft fehlt es Lehrern noch an der notwendigen Sensibilität. Andererseits stellen pauschale Vergünstigungen nur aufgrund des Diabetes einen, unserer Meinung nach, Krankheitsgewinn dar, der im späteren Berufsleben oder Studium nicht mehr gilt und der eine normale Sozialisation eher behindert. Aus unserer Sicht steht neben der langfristigen Vermeidung von Diabetes bedingten Folgeerkrankungen die normale psychosoziale Entwicklung unseres Sohnes Aurel im Vordergrund. Dies konnte bisher gut und in enger Zusammenarbeit mir der Klassenlehrerin Fr. Grein und dem sozialen Umfeld geschehen.

Die erste Hürde haben wir alle gemeinsam genommen. Nun beginnt für uns nach den Sommerferien das ganze Spiel von vorne. Neue Schule, neue Lehrer, neues Umfeld. Der Unterschied, wir haben einen vergrößerten Erfahrungsschatz und unser Sohn Aurel managt seinen Diabetes immer eigenständiger, im Bewusstsein, dass sein Diabetes ein wichtiger und bedingt veränderbarer Teil seines Lebens ist. Bleibt die Hoffnung, dass an der neuen Schule Aurel ebenfalls auf aufklärungsbereite und verständnisvolle Lehrer trifft. Eine große Hilfe dabei wird uns das Merkblatt für Lehrer und Betreuer diabetischer Kinder aus dem Diabetiker Ratgeber sein.

Diesen Beitrag haben wir verfasst, um zum einem, der Grundschule Nideggen, insbesondere Fr. Grein zu danken und zum andern Eltern, Schülern und Lehrern Mut zu machen, ungezwungen und offen mit Diabetes im Schulalltag umzugehen. Nur so fühlen sich die Kinder bestätigt und akzeptiert, kommen mit ihrer Erkrankung erheblich besser zurecht und es lässt ihnen mehr Freiraum für ihr eigentliches Leben.

 

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